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ehemalige Bauerschaft Western
Haus-Nr. ab 1769:
Paderborn 183a-c
Haus-Nr. ab 1877: A74 und A76 Jühengasse
Adresse ab 1897: Jühengasse 4-6
heute zu: Jühengasse 2, 33098 Paderborn
N.N.
weitere Besitzernamen : 1897 Ferdinand Schöningh (Witwe), 1940 Ferdinand Schöningh KG / Mahlermeister, um 1960 Ferdinand Schöningh,
heute : Rathauspassage
Fotos
Geschichte
Ferdinand (I) (1815-1883), der Gründer des Verlagshauses, wurde als 2. Sohn des Justizamtmanns Jakob (1781–1833), Dr. iur., in Meppen (Emsland) geboren. Nach vierjährigem Gymnasialbesuch in seiner Heimatstadt, einer Buchhändlerlehre bei seinem Großvater mütterlicherseits in Münster und zwölf weiteren Jahren Berufserfahrung in Münster und Soest erwarb er 1846 die Konzession für eine kath. Buch- und Kunsthandlung, die am 12.4.1847 mit den Schwerpunkten Wissenschaft, Pädagogische Literatur und Textsammlungen in Paderborn eröffnet wurde. 1848 gründete er einen Zeitungs- und Zeitschriftenverlag, in dem seit Aug. 1848 das wöchentliche „Westfälische Kirchenblatt für Katholiken“, seit April 1875 dann täglich das „Westfälische Volksblatt“ erschienen. 1850 bezog das Unternehmen ein neues Gebäude und richtete dort 1858 auch eine Druckerei ein. 1866 kaufte Ferdinand ein eigenes Verlagshaus am Paderborner Rathausplatz (Erweiterung 1883). Wissenschaftlich zunächst ausschließlich auf theol. Literatur konzentriert, erweiterte er sein Sortiment bald um Philosophie und Belletristik. Im Schulbereich, vor allem für Gymnasien, machte er sich durch Textausgaben der griech., röm. und dt. Klassiker sowie durch z. T. über viele Jahrzehnte immer neu aufgelegte Lehrbücher für Alte Sprachen, Deutsch, Geschichte, Latein und Mathematik einen Namen. Seit 1861 verlegte er auch Zeitschriften wie „Chrysologus“ (1861-1939), die „Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis“ (seit 1867) und „Gymnasium“ (seit 1883). Bis zu seinem Tod hatte der ambitionierte Verleger 673 Werke veröffentlicht, u. a. die „Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands“ von Joseph v. Eichendorff, Werke von Luise Hensel, den Bestseller Friedrich Wilhelm Weber´s „Dreizehnlinden“ (ca. 600 000 Exemplare) sowie Texte des mit der Familie befreundeten „Hausautors“ Adolph Kolping und von Autoren des politischen Katholizismus wie Franz Joseph Ritter v. Buß oder August Reichensperger.
Quelle : www.deutsche-biographie.de / Ferdinand Schöningh I
Auch nach dem Tod Ferdinand Schöninghs im Jahr 1883 blieb der Verlag weiterhin in der Hand der Familie Schöningh. Nach Ferdinand (II), übernahm dessen Sohn Eduard 1925 die Verlagsleitung, da sein Bruder Ferdinand (III) im Ersten Weltkrieg gefallen war. Eduard konnte, wie sein Vater und Großvater, den wirtschaftlichen Erfolg des Verlags fortsetzen. Seine verlegerische Arbeit wurde jedoch nach 1933 aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus zunehmend erschwert, der Verlag wurde Opfer von Enteignungen und Verboten. 1945 waren sämtliche Verlagsgebäude sowie die technischen Betriebe bei Luftangriffen auf Paderborn durch Bomben zerstört und die Lagerbestände vernichtet.
Stammhaus Jühenplatz nach 1945, Blickrichtung Nord
Die verlegerische Tätigkeit konnte jedoch schon bald nach Kriegsende wieder aufgenommen werden. Schwerpunkt des Programms war nun vor allem die Schulbuchliteratur. Nach dem Tod Eduard Schöninghs übernahm mit dessen Sohn im Jahr 1966 wieder ein Ferdinand den Verlag. Ferdinand (IV) setzte den Expansionskurs fort: In seine Zeit fallen die Mitbegründung der Lehrbuchreihe Uni-Taschenbücher (utb) 1970 und die Übernahme des Münchener Wilhelm Fink Verlags 1974. 1998 übergab Ferdinand (IV) die Geschäftsführung seinem Sohn Ferdinand (V). Die 1990er Jahre sind durch einen deutlichen Ausbau des geisteswissenschaftlichen, insbesondere des historischen Programms geprägt. Im Zuge umfassender Umstrukturierungen wurde 2002 die Schulbuchsparte verkauft, so dass sich der Verlag von nun an auf akademische Publikationen und wissenschaftliche Sachbücher konzentrierte. Die Übernahme durch Brill im Jahr 2017 hat es schließlich ermöglicht, das traditionsreiche Programm Schöninghs international und digital verfügbar zu machen.
Schwerpunkte des theologischen Programms sind traditionell die Kirchen- und Religionsgeschichte, die Dogmatik, die Bildtheologie sowie die Christliche Sozialethik. In den letzten Jahren hat sich das Programm außerdem vermehrt geöffnet für konfessionsübergreifende Fragen sowie für den Dialog zwischen Judentum, Christentum und Islam. Erwähnenswert ist zudem der Bereich des Kirchen- und Religionsrechts.
Im Fokus des geschichtlichen Programms von Brill | Schöningh steht vor allem der Bereich der Geschichte der Neueren und Neuesten Zeit sowie der Zeitgeschichte. Bei Publikationen zum Nationalsozialismus, zur Gewaltgeschichte und Täterforschung sowie zur Militär- und Kriegsgeschichte ist der Verlag seit langem führend. Weitere Schwerpunkte bilden die Bereiche der osteuropäischen Geschichte, Russlands und der Sowjetunion. Das Spektrum der Publikationen umfasst Buchreihen, Monografien, Quelleneditionen und internationale wissenschaftliche Zeitschriften.
Zu den Programmschwerpunkten zählen auch die Bereiche Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Pädagogik. In der Sprach- und Literaturwissenschaft ist der Verlag vor allem im Zusammenhang mit der Romantikforschung renommiert.
Karten
Preußisches Ur-Kataster Paderborn 1830 (Amt für Geoinformationen, Kataster und Vermessung, Paderborn)
Karte nach den Preußischen-Urkataster 1829-30, M. Erichreineke 2025
Karte TK 25 1837
Karte TK 25 1922
Karte TK 25 2001
Karte Google Maps 2025
(öffnen und mit rechter Maustaste auf „In Umlaufbahn um diesen Standort kreisen“)
Dokumente
Schrägluftbild 1930er, Blickrichtung Nord
Schrägluftbild 1960er, Blickrichtung Nord
Schrägluftbild 2020er, Blickrichtung Südwest
Besitzer im Häuser-Verzeichniß von 1897
Verweise
Auskünfte
Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Altertumsverein Paderborn
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V.
Sitz im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Die Informationen zu den Häusern der Paderborner Kernstadt werden seit 2023 mit Hilfe des Geschichts-Stammtisch Paderborn „GSP“ erarbeitet.
Auskünfte zu einzelnen Häusern und Höfen erhalten Sie unter:
info@westfalenhoefe.de














