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wiki:paderborn_paderborn_stadt_0149z

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ehemalige Bauerschaft Kämper

Haus-Nr. ab 1769:

Paderborn

Adresse ab 1897: Kampstraße

heute : Liboristraße 1 Ecke Kampstraße, 33098 Paderborn

Liboriebrunnen

Liborie-Kump

Fotos

Der Brunnen mit Liboriusfigur und dem Pfau, um 1910, Blickrichtung Südost.

„ST. LIBORIUS“ (Heiliger Liborius)

„DECUS PATRIAE“ (Stolz des Vaterlandes)

„SALUS POPULI“ (Wohl des Volkes)

„A.D. 1894“ (Im Jahre des Herrn 1894)

„TUTOR URBIS“ (Beschützer der Stadt)

„1588“ mit Engel über dem Paderborner Stadtwappen

Links unten vom Schild „19“, recht unten „52“

Liboribrunnen Google Street View

Geschichte

Kümpe werden in Paderborn historische Schöpfbrunnen genannt, in die im Mittelalter das Paderwasser mit Hilfe eines Pumpensystems ("der Wasserkunst") befördert wurde. Heute gibt es auch noch Kümpe vor dem Rathaus und vor der Franziskanerkirche. Der im 2. Weltkrieg zerstörte barocke Neptun-Kump auf dem Markt wurde durch einen neuen, von dem Paderborner Bildhauer Josef Rekus erschaffen Neptunbrunnen, im Jahre 1979 ersetzt.

Der große Stadtbrand im Jahre 1506 hatte den Mangel an Löschmöglichkeiten offenbart, was den Bau einer künstlichen Wasserversorgung, der „Wasserkunst“ an der Dielenpader, bewirkte. Mit der Fertigstellung von Pumpstation und Leitungen im Jahr 1523 erhielt Paderborn sein erstes eigenes Leitungsnetz. Der Libori-Kump von 1588 ist einer der drei erhaltenen alten Brunnen, aus denen die Paderborner früher ihr Wasser schöpften. Damals hatte man zunächst nur einen öffentlichen Brunnen ohne die Figur des Liborius errichtet. Erst 1877 wurde ein Wasserleitungssystem mit direkten Anschluß an den Häusern aufgebaut.

Die Brunnenfigur schuf 1894 der Paderborner Bildhauer Joseph Paschen aus Paderborn. Der Heilige Liborius wurde von Paschen auf den 1,70 m hohen Sockel des Liboribrunnens gesetzt. Ein sehr schönes Detail sind die vier Delphinköpfe, aus deren Mündern das Wasser fließt.

Blick vom Liborius Brunnen auf die Grube & Paderborner Dom / Gemälde Öl auf Leinwand um 1900

Man wußte lange nicht, wer die Figur bezahlt hatte. Rein zufällig kam später heraus, dass es die beiden Professoren Theodor Benseler und Dr. August Enck vom benachbarten Gymnasium Theodorianum gewesen waren. An der Schule hatten sie zu ihrer Zeit auch häufig bedürftigen Schülern mit Geldspenden geholfen weiter zu studieren.

Schaut man sich die Fotos der Luftangriffen des Zweiten Weltkrieges auf Paderborn an, bei der die Stadt zu 85 Prozent zerstört wurde, erscheint es fast wie ein Wunder, dass ausgerechnet diese Liboriusfigur den Krieg fast unbeschadet überstanden hat. Der Brunnen wurde zwar nachträglich etwas versetzt und der Kump verkleinert und abgesenkt, doch kann man die alte Inschrift am Sockel noch lesen (siehe Bilder oben).

Zur Verzierung vieler Brunnen dienen die Figuren von Heiligen. Die Menschen, die die Brunnen und ihre Figuren betrachten, sollen daran erinnert werden, dass kein Mensch ohne Wasser leben kann. Beim Anblick der Figur konnten sie ein Gebet an den Schutzpatron richten, sich für das lebenswichtige Wasser bedanken oder um weiteren Schutz bitten. So heißt es in einem anderen Liborius-Lied aus einem alten Paderborner Gesangbuch:

  • „Dir fallen wir zu füssen, du unser Schatz und Schutz Dein heilig gebein wir küssen, Zu unserm trost und nutz, Sey unser hirt und weide, das ganze vatterland, Daß kein von hinnen Scheide“

Der Pfau zu Füßen der Liboriusfigur:

Der Sage nach flog den Gesandten bei der Überführung der Reliquien des hl. Liborius von Le Mans nach Paderborn ein Pfau voraus, um Ihnen den Weg anzuzeigen. Als die Reliquien vor der Stadt auf dem Liboriberg am 28. Mai 836, dem Pfingstsonntag, vom Klerus in Empfang genommen wurden, hielt der Pfau so lange im Fluge inne, bis der feierliche Einzug in den Dom begann. Alsdann erhob er sich wieder und setzte sich auf die Kathedrale. Sobald die Domkirche betreten war, fiel der Pfau tot zur Erde.

www.Dioezesanmuseum Paderborn.de / Sammlung

Zum Andenken hieran wurde in den späteren Jahren dem Liborischrein zur Liboriprozession ein Pfauenwedel voran getragen. Durch den Reliquientransfer von Le Mans nach Paderborn ist die älteste nachweisliche Städtefreundschaft der Welt entstanden.

Im Buch von Conrad Mertens aus dem Jahre 1873 „Der heilige Liborius: sein Leben, seine Verehrung u. seine Reliquien“, dürfte der tatsächliche Sachverhalt jedoch ein anderer sein: Die Paderborner Gesandten sahen 836 in Le Mans die Pfauenwedel beim Gottesdienst. Sie waren erstaunt über die Schönheit des Pfauengefieders. Denn zur Zeit Karls des Großen war der Pfau noch ein sehr seltener Vogel und in Sachsen vielleicht noch ganz unbekannt. Was war also natürlicher als den Brauch mit in die Heimat zu bringen? Vielleicht haben die Gesandten auch einen Pfauenwedel nach Paderborn mitgebracht? Sie zeigten ihn fortan stetig in Verbindung mit ihrem kostbarsten Schatz, den Reliquien des hl. Liborius. Mertens stellt die Frage, ob es denn wirklich etwas Prächtigeres zu sehen gibt als einen Pfauenwedel, der sich zusammen mit dem Schrein in der Sonne spiegelt? Im Laufe der Jahre schwand der historische Sachverhalt im Bewusstsein der Gläubigen und die Sage setzte sich in ihrer Erinnerung durch.

Noch heute wird alljährlich zum Gedenken an die Translation in Paderborn das Fest Libori begangen, bei dem der Schrein mit den Liborius-Reliquien über den Domplatz und durch den inneren Stadtbereich getragen wird.

Karten

Preußisches Ur-Kataster Paderborn 1830 (Amt für Geoinformationen, Kataster und Vermessung, Paderborn)

Liboribrunnen Google-Maps

(Die rote Markierung zeigt den ungefähren Standort des ehemaligen Gebäudes an.)

Liboribrunnen Google Earth

(öffnen und mit rechter Maustaste auf „In Umlaufbahn um diesen Standort kreisen“)

Dokumente

Schrägluftbild 1930er, Blickrichtung Südost

Schrägluftbild 1960er, Blickrichtung Nord

Schrägluftbild 2020er, Blickrichtung Ost

Verweise

Auskünfte

Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Altertumsverein Paderborn

Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V.

Sitz im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Die Informationen zu den Häusern der Paderborner Kernstadt werden seit 2023 mit Hilfe des Geschichts-Stammtisch Paderborn „GSP“ erarbeitet.

Auskünfte zu einzelnen Häusern und Höfen erhalten Sie unter:

                  info@westfalenhoefe.de
wiki/paderborn_paderborn_stadt_0149z.txt · Zuletzt geändert: 2025/12/27 13:17 von michael

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