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ehemalige Bauerschaft Kämper
Haus-Nr. ab 1769:
Paderborn 149
Meyer
weitere Besitzernamen : 1897 Heinrich Drees / Rentner, 1942 Bonifatius Druckerei, um 1960 Bonifatius Druckerei GmbH,
Fotos
Liboristraße 1 um 1910, Blickrichtung Südost. Hausportal links hinter dem Liboribrunnen
Liboristraße 1 um 1930, Blickrichtung Nord Richtung Gaukirche.
Geschäftshaus im Jahre 2025, Blickrichtung Südost
Geschichte
Das 1699 von Hofrat Michael Melchior Wenneker erbaute Haus hinter dem Liborikump hatte ein massives Erdgeschoß und ein Fachwerk-Obergeschoß. Im Türsturz der fein profilierten Haustürumrahmung war ein Ehewappen mit zwei Helmen angebracht. Auf der linken Schildhälfte ein sechszackiger Stern, begleitet von oben 2, unten 1 Kleeblatt mit gebogenem Stiel. Der Stern ist auf dem Helm wiederholt. Die rechte Schildhälfte zeigt einen Feuerhaken (Rammsporn), umgeben von lodernden Flammen. Der Feuerhaken liegt auch auf dem Helm.
Abb. Tafel XVI, 6
In vertieften Flächen neben dem Wappen stand
- links: „M: M. W.“ rechts: „C. M. F.
- links: ….„16“….. rechts: ….„99“
1475 wohnte dort der Bürger Almer up dem Kampe, durch dessen Erben es an die Familie Bockenowe kam. 1508 am Gudenstage nach Cathed. S. Petri haben Johan von Raden und Johan Otterjäger, Bürgermeister, sowie Menke Kap und Goddert Bockenowe, Kämmerer, dem Knappen Henrich Westphal und seinen rechten Erben die in der Kämperbauerschaft zwischen Ebbert Bullwegen im Westen und Johan Hillenhofen im Osten belegene Hausstelle, die einige Jahre nach dem Tode des Bürgergmeisters Almers wüst gelegen hatte, zum Neubau überlassen. Er mußte dafür jährlich 12 Schillinge und dem Pförtner das Pfortgeld bezahlen. Im übrigen war das Grundstück frei von allen städtischen Lasten. Die Hessen sollen in der Folge das Haus abgebrochen haben. Der Sohn und Nachfolger des Erbauers Henrich Westphal namens Wilhelm, Domkapitular zu Paderborn und Halberstadt („hiesiger und der halberstädtischen hohen Stiftskirchen und respektive Thumbkellnern und Capitularherrn, auch Probsten ad SS. Petrum et Paulum daselbsten“), Paderborner Ratsherr, Herr zu Fürstenberg (Kr. Büren), hat die viele Jahre wüst gelegene Hausstelle am 8. 4. 1706 dem Hofrichter Melchior Wenneker „in qualitate civica et onerosa“ verkauft und sich mit der Stadt Paderborn mit Genehmigung des Fürstbischofs unter Anführung obiger Umstände verglichen mit dem Zusatz, daß der Prozeß beim Reichskammergericht aufhören und die obige Abgabe und Freiheit auf dessen neuen, auf der Giersstraße (Westfalenhof) erbauten Hof übertragen wurde. Die Abgabe ist laut Urkunde vom 17. 1. 1724 der Stadt mit 40 Rthlr abgekauft, die gleich gezahlt sind. Die Verkaufsurkunde ist 9 Seiten lang. Der Käufer Melchor Michael Wenneker und seine Frau Catharina Maria Feuerbern sind mit obigem Wappen und den zugehörigen Buchstaben gemeint. (Über diese Eheleute und ihre Vorfahren und Nachkommen siehe Buch Paderborner Inschriften, Paul Michels von 1957 unter I C 26.8 Seite 73)
Paul Michels schreibt dazu weiter: Haus Krumme Grube 6 (Gaukirch-Küsterei). Im westlichen Torpfeiler auf der Hofseite war das Bruchstück eines Wappensteins vermauert, auf dem die Spitze eines Einreißhakens zu erkennen war. Das könnte, wie beim Allianzwappen hier am Hause Kamp 20 von 1699, das Wappen der Familie Feuerbern sein. (Hier im Wappen die rechte Hälfte, siehe oben Tafel XVI, 6)
Hausportal im Jahre 1925, Nordseite
Der Türsturz ist beim Wiederaufbau des Hauses Liboristraße 8, am Nebeneingang von der Jesuitenmauer wieder verwandt worden.
1877 wurde an die Ostecke ein bis in die Häuserfront des Kamp vorgezogenes zweigeschossiges Fachwerkhaus angebaut, das auf der Ecke zum Kamp einen Ziererker hatte.
Hier stand auf dem Rähm des ersten Stocks:
- „Man kann es nicht allen recht machen.“
Am Erkerchen stand unterhalb des Hauptgesimses auf mehrfach gebrochenem Schriftbande:
- „Ein Baumann hat’s erdacht / Ein Engel hat’s gemacht / Ein Uhle hat’s vermauert“
- „Acht Wochen hat’s gedauert / Ao 1877“
Hier sind die Namen des Architekten und der am Bau beteiligten Handwerksmeister in nette Verse gefaßt.
Das Haus wurde im 2. WK 1945 bei Luftangriffen auf Paderborn zerstört. Das barocke Portal der 1980 neu erbauten Bonifatius-Buchhandlung stammt aus dem Jahr 1735 und befand sich ursprünglich am Gerichtsgefängnis in der Königstraße Nr. i (ie), das nach schweren Kriegszerstörungen abgebrochen wurde.
www.wikipedia.de / Portal des Gerichtsgefängnis von 1735 am neuen Standort Liboristraße 1
Karten
Preußisches Ur-Kataster Paderborn 1830 (Amt für Geoinformationen, Kataster und Vermessung, Paderborn)
Karte nach den Preußischen-Urkataster 1829-30, M. Erichreineke 2025
Karte TK 25 1837
Karte TK 25 1922
Karte TK 25 2001
Karte Google Maps 2025
(Die rote Markierung zeigt den ungefähren Standort des ehemaligen Gebäudes an.)
(öffnen und mit rechter Maustaste auf „In Umlaufbahn um diesen Standort kreisen“)
Dokumente
Wohn- und Geschäftshäuser, die um 1810 einen Wert von mehr als 1000 Taler in der Brandversicherung nachwiesen.
www.wikimedia.de / Liboristrasse 1 / Portal Jesuitenmauer
Schrägluftbild 1930er, Blickrichtung Nord
Schrägluftbild 1970er, Blickrichtung Nord
Schrägluftbild 2020er, Blickrichtung Ost
Besitzer im Häuser-Verzeichniß von 1897
Verweise
Auskünfte
Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Altertumsverein Paderborn
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V.
Sitz im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Die Informationen zu den Häusern der Paderborner Kernstadt werden seit 2023 mit Hilfe des Geschichts-Stammtisch Paderborn „GSP“ erarbeitet.
Auskünfte zu einzelnen Häusern und Höfen erhalten Sie unter:
info@westfalenhoefe.de





















