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ehemalige Bauerschaft Kämper
Haus-Nr. ab 1769:
Paderborn 39
Haus-Nr. ab 1877: C14 Scharne / Rathausplatz
Adresse ab 1897: Scharnen / Rathausplatz 3, zu Schildern 2
heute : Schildern 2-6, 33098 Paderborn
Reitemeier
weitere Besitzernamen : 1897 Lilienthal Salomon / Kaufmann, um 1900 Pommer, 1927 Ehape Gmbh dann Kaufhalle AG, 1965 Volksbank Paderborn
heute: VerbundVolksbank OWL eG
Fotos
Geschichte
Scharnegasse
Scharne: Gebäude, in dem sich bis zum Beginn des 19. Jh. die Verkaufsstände der Metzger befanden. Bereits im Mittelalter gibt es Urkundliche Erwähnungen.
Alte Bezeichnung: In der Scharn und um 1831 dann auch: Hinter dem Rathaus
„Die Scharne in Paderborn“
„Das am Rathhausplatz in Paderborn liegende Haus Nr. 3 war seit mehreren Jahrhunderten und bis in die 2. Hälfte des abgelaufenen Jahrhunderts die Fleischverkaufshalle der vereinigten Fleischer und trug wie auch in andern Städten Westfalens den Namen „Scharne“. Dieses Haus ist von Herrn Buchbindermeifter Pommer gekauft, mit seinem daranstoßenden Hause vereinigt und im Laufe dieses Jahres (1900) umgebaut worden. Bei diesem Umbau haben sich einige beachtenswerthe Eigenthümlichkeiten gefunden, welche der Aufzeichnung werth sind.“
„Zunächst fand sich unter diesem Scharnegebäude kein gewölbter Keller, während das anstoßende „Pommersche Haus“ Nr. 5 sowie das anstoßende „Lilienthalsche Haus“ Schildern Nr. 2 geräumige, gewölbte alte Keller haben. An Stelle eines gewölbten Kellers befand sich dagegen unter der Scharne ein oben offener gemauerter kellerartiger Raum, der aber mit Abfallstoffen, namentlich Knochen, ganz gefüllt war. Nachdem dieser Raum bis zur Tiefe der Sohle der benachbarten Keller ausgeräumt war, zeigte sich, daß die der Straße zugekehrte Wand desselben, auf welcher auch die aufgehende Wandmauer der Scharne steht, in Bruchsteinen, aber nicht mit Kalkmörtel, sondern mit Lehmmörtel gemauert war.“
„Außerdem zeigte sich, als der Wandverputz der an der Straße liegenden Gebäudewand der Scharne entfernt wurde, daß diese Wand aus vermauerten Rundbogen bestand, welche sich nach Süden durch das „Pommeriche Haus“ bis zur Kötterhagen-Ecke fortsetzten, nach Norden aber mit einem abgebrochenen Bogen vor der jetzt aus Fachwerk bestehenden Wand des „Lilienthalschen Hauses“ in solcher Weise endigten, daß man ersehen konnte, daß ehemals auch hier diese Bogen sich fortsetzt, vielleicht bis zum Schildern fich ausgedehnt haben.“
„Es ist hiernach nicht zweifelhaft, daß diese Bogen einem sogenannten Laubengange, wie er in altdeutschen Städten häufiger vorkommt, angehört haben. Urkundlich ist allerdings von einem Laubenbauwerke in Paderborn nichts bekannt. Auch muß diese Laube schon vor sehr langer Zeit umgebaut, beziehlich verändert sein, da keine Ueberlieferungen davon mehr erhalten sind. Das Lehmmörtelfundament unter der alten Scharne ist vielleicht in folgender Weise zu erklären. Auf dem Platze der alten Scharne wird vor Ausführung des Laubenmauermwerkes ein leichtes Holzwerksgebäude gestanden haben, für welches in Lehmmörtel ausgeführte Fundamente ausreichten. Als nach längerer Zeit des Laubenmauerwerkes ausgeführt werden sollte, hat man vielleicht keine Erinnerung mehr von dem Lehmmörtel-Fundamentmauermerk gehabt oder hat dasselbe für stark genug gehalten, das aufgehende Mauermwerf der Lauben-Bogen zu tragen. Glücklicher Weise hat dieses fehlerhafte Fundament doch nicht nur die anfänglich darauf gebauten Lauben-Bogen getragen, sondern auch noch, nachdem diese Bogen später wieder vermauert waren, die ganze Wand. Letztere ist ca. 1,40 m starfk und 3,20 m hoch. Auch die Bogen haben diese Stärke. Ihre Zwischenpfeiler haben ca. 1 m Breite. Die lichte Bogenhöhe ist ca. 2,50 m. Fünf Bogen-Anlagen haben sich im Mauerwerke der Scharne und des „Pommerschen Hauses“ nachweisen lassen, zu welchen jedoch noch zwei Bogen hinzukommen, welche im Eckmauerwerke des „Pommerschen Haufes“ im Kötterhagen schon früher bekannt geworden.“
Anderas Vüllers, Westfälische Zeitschrift 58, 1900
Quelle: www.lwl.org / Westfälische Geschichte
Das Haus wurde im 2. WK 1945 bei Luftangriffen zerstört
Kauf des Grundstückes hinter dem Rathaus 1965 durch die Volksbank Paderborn von der Stadt Paderborn. Am 18. Oktober 1968 wurde das neue Bankgebäude mit einem großen Fest eröffnet. In das neue Gebäude wurden 1968 auch die Kammerspiele, mit einem Mietvertrag über seinerzeit 30 Jahre, dank der Unterstützung der Paderborner Mitbürger in einer Spielstätte im Neubau der Volksbank aufgenommen.
Im Jahre 2008 bis 2011 fand eine Renovierung und ein Teil-Neubau des ehemaligen Kammerspiel-Theaters für die Volksbank statt.
Inschriften
Aus dem Buch „Paderborner Inschriften“ von Paul Michels 1957
1900. (Scharnegasse), zuletzt Pommer, 1945 zerstört
Im Kämpfer der Haustür von Pommer, Rathausplatz 3, war die Erinnerung an die alte Scharne, die Verkaufshalle der Metzgerzunft, festgehalten durch eine Inschrift in Fraktur:
„Scharn deß Metzger-Ambts bis Ao 1660 - Erneuert durch B. Pommer Ao 1900“
Karten
Preußisches Ur-Kataster Paderborn 1830 (Amt für Geoinformationen, Kataster und Vermessung, Paderborn)
Karte nach den Preußischen-Urkataster 1829-30, M. Erichreineke 2025
Karte TK 25 1837
Karte TK 25 1922
Karte TK 25 2001
Karte Google Maps 2025
(öffnen und mit rechter Maustaste auf „In Umlaufbahn um diesen Standort kreisen“)
Dokumente
Verweise
Auskünfte
Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Altertumsverein Paderborn
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V
Sitz im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Die Informationen zu den Häusern der Paderborner Kernstadt werden seit 2023 mit Hilfe des Geschichts-Stammtisch Paderborn „GSP“ erarbeitet.
Auskünfte zu einzelnen Häusern und Höfen erhalten Sie unter:
info@westfalenhoefe.de










