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ehemalige Bauerschaft Kämper
Haus-Nr. ab 1769:
Paderborn 36
Ise
weitere Besitzernamen : 1897 Hermann Theben / Kupferschmied, 1960 Paul Schmidt / Kaufmann,
heute:
Fotos
Hausstätte mit dem Rathaus im Hintergrund 1899 , Blickrichtung West
Wohn- und Geschäftshaus um 1930, Blickrichtung Südwest
und Schildern um 1940, Blickrichtung Ost
Schrägluftbild Schildern und Rathausplatz in den 1930er, Nordwestseite
www.archive.nrw.de / Paderborn, Stadtkern
Nachkriegs-Neubau Schildern 6 1953, Blickrichtung Ost
Schrägluftbild in den 2010, Blickrichtung Ost
Neubau 2012, Blickrichtung Südwest 2024
Geschichte
Im 8. bis 11. Jahrhundert lag das Grundstück und die Hausstätte westlich vor dem Torhaus an der Grenze von der Altstadt zur Domburg/Immunität (Karlsburg). Die Straße Schildern als Verlängerung der Westernstraße war Teil des ursprünglichen Westfälische Hellweg (eine Fernstraße des Mittelalters zwischen Rhein und Elbe).
Bild aus : Paderborn - Geschichte der Stadt in ihrer Region 3 Bände. Paderborn 1999
siehe : www.wikipedia.org / Domburg Paderborn
Zum Rathausumfeld und zum Markt gehört die Straße Im Schildern, sie läßt sich geradezu als Marktstraße bezeichnen. Die Schildergasse war nach dem Ministerialengeschlecht Schilder benannt, das seit 1301 als Inhaber des Amtes des bischöflichen Kämmerers den großen Zoll in Paderborn, den sogenannten Schilderzoll, mit dem Zollhaus (Schildern 8) innehatte.
Die Schriftquellen sagen, dass die Stadtgrafen im Jahr 1227 in der Nähe der Domburg nördlich des Schildern waren. Die Häuser der Stadtgrafen Amelung (1185–1217) und Heinrich (1223) kann man anhand der Schriftquellen hingegen nicht lokalisieren. Deshalb ist das Gebäude im Schildern 6 nicht genau zuzuordnen.
Die Karte zeigt nicht nur die Keller, sondern auch weitere Bodeneingriffe, wie z. B. den Verlauf der Kanäle unter den Straßen.
Bild : Angelegt - Thesen, Skizzen und Zwischenberichte zur Baugeschichte und Denkmalpflege (Universitätsbibliothek Paderborn)
2012 wurde das Haus Schildern 6 in Paderborn Nähe des Domes abgerissen. Der Archäologe Herr Dr. Sven Spiong mit seinem Team hat die Ausgrabungen geleitet.
Das Gebäude stand im ehemaligen Dom-Burggraben der Immunität, der zu 2/3 aufgefüllt wurde.
Abbildungsnachweis - Grafik: LWL-Archäologie für Westfalen / O. Heilmann, E. Manz, S. Spiong
Diese Reportage dokumentiert zum Abschluss der Ausgrabungen die Historie des Hauses Schildern 6 bis zum 12/13 Jahrhundert zurück gehend, wo die Dom-Burg am Haus Schildern 6 neben dem Steinbruch des Bischofs entlang ging. Siehe: www.youtube.com / Ein Film von Paul-Günter Schmidt, Hergestellt 2012, Dauer: 37:56 Minuten
Artikel von 2012 aus der
Tageszeitung, Paderborn / NW Abo-Service
„Bei den Abbrucharbeiten des Geschäftshauses Schildern 6 tauchte an einer Hauswand plötzlich eine große, alte, gut erhaltene Werbetafel mit dem Schriftzug der Büromaschinenmarke „Olympia“ auf.“
„-Was duftet im Schildern?- lautete früher ein bekannter Paderborner Werbeslogan. … . Was duftete, war Schmidt’s Kaffee, über Jahrzehnte ein Spitzenprodukt des früheren Geschäftes Feinkost Schmidt im Schildern 6. Das Geschäft schloß 1992 seine Türen. Und genau dort wurden auch einmal Büromaschinen verkauft. „Das Paderborner Adressbuch von 1949 nennt den Schildern 6 als Adresse einer Verkaufsstelle von Orbis Büromaschinen“, fand Andreas Gaidt vom Stadtarchiv auf Anfrage der NW heraus. Die Olympia-Büromaschinenwerke in Erfurt waren im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. …. . Ehemalige Erfurter Mitarbeiter, die in den Westen geflüchtet waren, nahmen für eine kurze Übergangsphase in Bielefeld und dann ab 1946 in Wilhelmshaven die Schreibmaschinenfertigung wieder auf - als Orbis Büromaschinenwerke GmbH. Dieses Unternehmen war es, das im Schildern 6 eine Verkaufsfiliale eröffnete - und die „Olympia“-Reklame installierte, die die Jahrzehnte bis zum Abbruch des Gebäudes überdauert hat. ………. Bereits 1947, zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, hatte Paul Schmidt, der 1911 geborene Sohn einer Rimbecker Kaufmannsfamilie, das Trümmergrundstück Schildern 6 von der Sparkasse erworben.“
Das Haus wurde im 2. WK 1945 bei Luftangriffen zerstört
„Bald danach muss er mit dem Wiederaufbau begonnen haben. Im Stadtarchiv ist für 1947 eine Bauakte Paul Schmidt für den Schildern 6 verzeichnet. Sein Feinkostgeschäft eröffnete Schmidt an dieser Adresse im Jahre 1950.
Offenbar war der Schreibmaschinenladen mit der Olympia-Werbung für wenige Jahre als erster Pächter in das Schmidt-Gebäude eingezogen.“
Inschriften
Buch „Paderborner Inschriften von Paul Michels 1957 / Schildern 6, Ecke Kötterhagen, vernichtet 1945:
Es war das älteste, an seiner alten Stelle erhaltene und zugleich das reichste Fachwerkhaus Paderborns. Das massive Erdgeschoß war öfter verändert, das Obergeschoß um Balkenstärke vorgekragt, die Stockwerksschwelle als Bogenfries ausgebildet mit vielen Inschriften, Wappen und Hausmarken. Auch die Giebelschwelle war in gleicher Weise ausgeführt. Das Haus wurde vielfach als Gildehaus angesprochen, die Wappen als Zunftwappen. Diese Ansicht läßt sich aber nicht halten, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach wird es ein Bürgermeisterhaus gewesen sein.
Die Wappen und Marken, die sich z. T. wiederholen (Abb. Tafel VIII, 11-25), sind noch nicht alle gedeutet.
Auf der Stockwerksschwelle nach dem Kötterhagen stand:
“ANNO DOMI DVSEND VIFHUNDERT IN IAR XXXXI„ = Anno Domini Tausend und ein Jahr 1401
auf der Schildernseite:
“GAT DE HER HEBBE LAF VNDE ERR IN EWIC HEIT„
Die mit einem querovalen Oberlicht in Rechteckrahmen geschmückte Haustür hatte ein dreifach abgetrepptes Sandsteingewände. Auf den drei Plättchen des Sturzes stand:
- „ANNO 1714 Dieses Haus steht in Gottes hant Gott wols BeWaRRen FüR Fewr unD BRanD.
- ARnOLDUs Getman AnnaeLisabet Baden.“
Die Familie Getman (Gethmann, Geibmann) ist aus Blankenstein a. d. Ruhr zugezogen, wo es noch heute einen großen „Gethmanns Garten“ gibt. Vermutlich stammen die Getman`s von Gut Gethe bei Sprockhövel, wo 1486 genannt werden Hannes und Telman ter Geyten.
Karten
Preußisches Ur-Kataster Paderborn 1830 (Amt für Geoinformationen, Kataster und Vermessung, Paderborn)
Karte nach den Preußischen-Urkataster 1829-30, M. Erichreineke 2025
Karte TK 25 1837
Karte TK 25 1922
Karte TK 25 2001
Karte Google Maps 2025
(öffnen und mit rechter Maustaste auf „In Umlaufbahn um diesen Standort kreisen“)
Dokumente
Schrägluftbild 1930er, Blickrichtung Nord
Besitzer im Häuser-Verzeichniß von 1897
Verweise
Auskünfte
Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Altertumsverein Paderborn
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V
Sitz im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Die Informationen zu den Häusern der Paderborner Kernstadt werden seit 2023 mit Hilfe des Geschichts-Stammtisch Paderborn „GSP“ erarbeitet.
Auskünfte zu einzelnen Häusern und Höfen erhalten Sie unter:
info@westfalenhoefe.de






















