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wiki:paderborn_paderborn_stadt_0035

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ehemalige Bauerschaft Kämper

Haus-Nr. ab 1769:

Paderborn 35

Haus-Nr. ab 1877: C9 Schildern

Adresse ab 1897: Schildern 8

heute : Schildern 8, 33098 Paderborn

Ferrari

weitere Besitzernamen : 1590 Heinrich Perlensticker / Bürgermeister, 1637 Heinrich Fabritius / Bürgermeister, 1670 Engelbert ab Elsen / Handelsherr, danach Dr. Anton Wiegand / Konsul, 1712 Familie Duffrain, 1738 Sebastian Ferrari, 1897 August Heising / Kaufmann, 1927 Franz Striewe / Wirt - Gasthaus „Im Ratsglöckchen“, 1960 Stephanie Striewe / Witwe - Gasthaus „Im Ratsglöckchen“,

heute:

Fotos

Hausstätte um 1930, Blickrichtung Ost

Hausstätte um 1930, Blickrichtung Südwest

Schrägluftbild Schildern und Rathausplatz in den 1930er, Nordwestseite

www.archive.nrw.de / Paderborn, Stadtkern

Schildern 12 2012, Blickrichtung Nordwest

Schrägluftbild in den 2020er, Blickrichtung Ost

Neubau nach dem 2. Weltkrieg 2024, Blickrichtung Südost 2024

Schildern 8 Google Street View

Geschichte

Im 8. bis 11. Jahrhundert lag das Grundstück und die Hausstätte der Erzählung nach als Torhaus auf der Grenze zwischen Altstadt und der Domburg/Immunität (Karlsburg). Die Straße Schildern als Verlängerung der Westernstraße war Teil des ursprünglichen Westfälische Hellweg (eine Fernstraße des Mittelalters zwischen Rhein und Elbe).

Bild aus : Paderborn - Geschichte der Stadt in ihrer Region 3 Bände. Paderborn 1999

siehe : www.wikipedia.org / Domburg Paderborn

Zum Rathausumfeld und zum Markt gehört die Straße Im Schildern, sie läßt sich geradezu als Marktstraße bezeichnen. Die Schildergasse war nach dem Ministerialengeschlecht Schilder benannt, das seit 1301 als Inhaber des Amtes des bischöflichen Kämmerers den großen Zoll in Paderborn, den sogenannten Schilderzoll, innehatte.

Die Karte zeigt nicht nur die Keller, sondern auch weitere Bodeneingriffe, wie z. B. den Verlauf der Kanäle unter den Straßen. Am Standort Haus Schildern 8 ist ein historischer Brunnen erkennbar.

Bild : Angelegt - Thesen, Skizzen und Zwischenberichte zur Baugeschichte und Denkmalpflege (Universitätsbibliothek Paderborn)

Im Keller des Gebäudes Schilder 8 wurden bedeutende Reste mittelalterlicher Strukturen entdeckt, die in ihrer Gesamtheit für die siedlungsgeschichtliche Entwicklung von signifikanter Bedeutung sind. Die Längswand (Westseite) von Schildern 10 zum Gebäude Schildern 8 weist eine Stärke von ca. 0,90 m auf. In der besagten Wand befindet sich eine vermauerte Fensteröffnung. Es besteht demnach die Hypothese, dass sich zwischen den beiden Häusern eine Traufgasse mit einer maximalen Breite von 2,00 Metern befand. Diese Annahme wird durch den Abstand zur Innenwand des Kellers Schildern 10 (Ostseite) mit ca. 3,80 Metern gestützt.

In der Krummen Grube bildete die Mauer des Klosters Gokirchen entlang der Straße die Immunitätsgrenze. Die Straße verlief zum Schildern hin zwischen dem Haus Grube 6 und dem Garten, der zum Haus Markt 8 gehörte, hindurch. Sie führte also über den langgestreckten, schmalen Hofplatz, der 1830 und wahrscheinlich auch früher schon zum Haus Schildern 8 gehörte. Die Grenze verlief durch das Haus Schildern 8 bis zur Mitte „der Gassen, welche aus dem Kötterhagen nach dem Schilderen läuft“. Sie folgte dieser Gasse und erreichte die Schilder beim Haus mit der Nummer 13.

Die alte Tür des Hauses Schildern 8 hatte eine Sandsteineinfassung, auf welcher stand:

„IHS GLORIA : IN : EXCELSIS : DEO : C:D:/AO :171Z.“ (1712)

C. D. kann heißen: „Commisi Domino“ = „Ich habe es Gott befohlen“, wie wir an anderer Stelle schon gefunden haben. Hier sind es aber vielleicht die Anfangsbuchstaben des Namens Claude Duffrain. Er war Uhrmacher und mit seiner Frau Anna Maria Juilette am 20. 7. 1711 in Kämper-Bauerschaft aufgenommen worden. Claude, gestorben am 3.4.1728, aet (mit) 54 Jahren, war schon früher zeitweise in Deutschland. In einer Urkunde vom 12. 7. 1707 (St II, S. 602) bescheinigt ihm ein Notar seiner Heimat, daß er als Sohn der Eheleute Georg und Petrea Dufresne in der Pfarrei Latour, Diözese Genf, geboren und guten Leumundes sei. Nach der Altersangabe bei seinem Tode muß er um 1674 geboren sein.

Hier ein Bericht über das Haus „Schildern 8“ aus der Zeitung „Westfälisches Volksblatt“ vom 13. Juli 1939 :

Das Haus Schildern 8, in dem sich heute die Gaststätte „Ratsglöckchen” befindet, ist ein sehr altes Paderborner Haus. Wie es das erste Bild links neben der Eingangstür darstellt, war es von 900 bis 1500 ein Torhaus, in dem die Zollabgaben zu entrichten waren. Hier war in der ältesten Stadtzeit Paderborns die Stadtmauer mit dem Schilder-Tor. Zollerheber waren die Familien von Schilder, Endehachte, Konrad Potter und Hans Brunnemann. 1491 ging der Zoll an die Stadt über. Am 18. März 1506 brannten 300 Häuser des westlichen Stadtviertels nieder, darunter auch das Schilder-Tor. Auf den Grundmauern wurden die neuen Häuser errichtet. Vom 1590 bis 1634 war Besitzer des Hauses der Bürgermeister Heinrich Perlensticker, durch den 1613 bis 1616 das Rathaus erbaut wurde. Er hatte das Schildertorhaus von seinem Vater, dem Stadtkämmerer Johann Perlensticker geerbt. In der Folge sollte das stattliche Haus noch oft seinen Besitzer wechseln. Von 1637 bis 1670 gehörte es dem Bürgermeister Heinrich Fabritius. 1670 übernahm es der Handelsherr Engelbert ab Elsen, der auch Platzmeister der Schützengesellschaft und Anführer der Bürger-Gilde war. Dessen Tochter verkaufte das Anmwesen an Konsul Dr. Anton Wiegand, dieser 1712 an die Familie Dussrain, und die Wittwe Dussrain 1738 an Sebastian Ferrari für 3800 Taler. Einer seiner Nachfahren, Andreas Ferrari (siehe Haus Nr. 16), war im Jahre 1831 Gründer des Paderborner Bürgerschützenvereins und dessen erster Schützenoberst bis zum Nahre 1846. Durch Einheirat kam das Anwesen in den Besitz der alten Paderborner Familie Ferdinand Heising. Im Jahre 1927 übernahm es der jetzige Besitzer Franz Striewe.

Diese ganze Geschichte des alten Hauses ist aus den Bildern abzulesen. Es wird weiter dargestellt, wie das Paberborner Bier, das auch in diesem Hause wie in so vielen Bürgerhäusern der Stadt gebraut wurde und weit berühmt war, ins Ausland ausgefirhrt wird. Wie die Chronit berichtet, ging Paberborner Bier sogar bis nach Prag. Der letzte Teil der bildlichen Darstellung ist unserer Zeit, dem nationalsozialistischen Auffbau, gewidmet. „Seit tausend Jahren”, so heißt es in einer Inschrift, „gingen hier hindurch die Bürger, Ritter, Orden und tranken stetz ein gut Glas Bier bei Frohsinn ohne Sorgen”.

Blick auf den Markt nach dem 17. Januar 1945, Blickrichtung Südwest.

Blick auf den Markt 1946/47, Blickrichtung Süd.

Das Haus wurde im 2. WK 1945 bei Luftangriffen zerstört

Karten

Preußisches Ur-Kataster Paderborn 1830 (Amt für Geoinformationen, Kataster und Vermessung, Paderborn)

Der Hofplatz mit der Parzellennummer 417 gehörte 1830 wie die Parzellen 414-418 der Witwe Ferrari, die im Haus Schildern 8 wohnte. (Urflurbuch, S. 26)

Karte nach den Preußischen-Urkataster 1829-30, M. Erichreineke 2025

Karte TK 25 1837

Karte TK 25 1922

Karte TK 25 2001

Karte Google Maps 2025

Schildern 8 Google-Maps

Schildern 8 Google Earth

(öffnen und mit rechter Maustaste auf „In Umlaufbahn um diesen Standort kreisen“)

Dokumente

Schrägluftbild 1930er, Blickrichtung Nord

Besitzer im Häuser-Verzeichniß von 1897

Adressbücher Kreis Paderborn

Inschrift über die Zerstörung des alten Hauses im 2. WK und den Wiederaufbau 1949 bis 1951

Der Bau von 1712 wurde am 27.3.1945 zerstört. Wiederaufgebaut in den Jahren 1948-1951.

Verweise

Auskünfte

Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Altertumsverein Paderborn

Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V

Sitz im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Die Informationen zu den Häusern der Paderborner Kernstadt werden seit 2023 mit Hilfe des Geschichts-Stammtisch Paderborn „GSP“ erarbeitet.

Auskünfte zu einzelnen Häusern und Höfen erhalten Sie unter:

                  info@westfalenhoefe.de
wiki/paderborn_paderborn_stadt_0035.txt · Zuletzt geändert: 2025/12/27 13:40 von michael

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