Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


wiki:paderborn_paderborn_stadt_000_pfalz

zurück zu : [Paderborn Stadt] | [Paderborn Stadt Hausstätten- und Höfeliste]

www.lwl-kaiserpfalz-paderborn.de / Museum

ehemalige

Pfalz zu Paderborn

Haus-Nr. ab 1877: Am Ikenberg

heute : Am Ikenberg 1, 33098 Paderborn

Königs- / Kaiserpfalz

heute : Kaiserpfalzmuseum

Fotos

Pfalzanlage um 1975, Blickrichtung Nordost

Pfalzanlage 2024, Blickrichtung Nordost

www.wikipedia.org / Pfalz Paderborn

Kaiserpfalz Google Street View

Literatur

Die Paderborner Königspfalzen, Manfred Balzer - Reihe Archäologische Denkmäler in Westfalen, Heft 1

Herausgeber: Landesverband Westfalen-Lippe - Medienzentrum Bildarchiv Münster 1985

Geschichte

Im 8. bis 11. Jahrhundert lag das Grundstück der Kaiserpfalz in der Domburg (Karlsburg). Der Alte Römerweg oder auch Westfälische Hellweg genannt (dazu gehört auch die Schildernstraße als Verlängerung der Westernstraße, die „platea occidentalis“, so der lateinische Name der Westernstraße. Urkundlich seit 1295 nachweisbar), war eine Fernstraße des Mittelalters zwischen Rhein und Elbe. Sie führte südlich an der Domburg vorbei und und war ab dem Mittelalter die heutige Kampstraße.

Bild aus : Paderborn - Geschichte der Stadt in ihrer Region 3 Bände. Paderborn 1999

siehe : www.wikipedia.org / Domburg Paderborn

An der Nordseite des Domes liegt das Gebiet, in dem vor gut 1200 Jahren Paderborner und europäische Geschichte geschrieben wurde. Die Siedlung an den Paderquellen gewann Bedeutung in den 772 beginnenden, oft grausamen Sachsenkriegen Karls des Großen, die als „Schwertmission“ die Erweiterung des Frankenreiches und die Ausbreitung des christlichen Glaubens miteinander verbanden. Neun Aufenthalte des Frankenkönigs im Paderborner Raum sind bezeugt. Er errichtete hier nun 776 eine „Stadt“ Karlsburg, deren Befestigung den heutigen Dombereich umschloss. Sie reichte nach heutigen Bezeichnungen vom Schildern, der Straße zwischen Rathaus und Markt, durch den Kötterhagen, die Krumme Grube um das Gerichtsgebäude, führte dann nach Norden, umschloss das Konrad-Martin-Haus am kleinen Domplatz und führte nach Westen auf das östliche Paderquellbecken zu, an dessen Südseite sie dann bis über die Michaelstraße verlief, um hinter den Häusern an deren Westseite und hinter dem Fürstenhof am Abdinghof wieder auf den Schildern zuzugehen. In dieser Karlsburg wurden im Jahr 776 Sachsen in großer Zahl getauft.

Im Nordwestbereich der Burg erbaute Karl der Große eine Königspfalz, deren Grundmauern nördlich des Domes ausgegraben worden sind. Die Herrscher des mittelalterlichen Reiches, das noch keine feste Hauptstadt kannte, residierten in Pfalzen. Wichtigstes Gebäude derselben war eine innen wie außen reich geschmückte Königshalle. Von dem in Paderborn ausgegrabenen karolingischen Saalbau wurden Reste einer Ausmalung mit einer Inschrift gefunden, die vermutlich Karl als den Sieger über den Drachen, das Heidentum, feierte. Wohngebäude, Höfe, eine Kirche und ein Missionskloster, das nördlich des Langhauses des heutigen Domes lag, schlossen sich nach Osten hin an. Zur Versorgung der Pfalz wurde ein Krongutsbezirk geschaffen, dessen Haupthof Enenhus in der Nähe der heutigen Georgskirche an der Neuhäuser Straße lag.

Die Bauphasen der Pfalzen und des Domes siehe www.Architektur.TU-Darmstadt.de / Reconstruction

In dieser Burg „Paderbrunnon“ (Paderbrunna, Patresbrunna, Patrebrunna, Patrisbrunna) hielt Karl nun 777 die erste der jährlichen fränkischen Reichsversammlungen auf sächsischem Boden. Die Großen des Reiches und der König trafen sich hier zur Ordnung Sachsens und zur Einteilung der Missionsbezirke. Paderborn wurde der Würzburger Kirche zugewiesen. Erneut erfolgte eine Massentaufe der Sachsen. Ein Gedicht über die Sachsenbekehrung in dem Hofstil der damaligen Zeit verglich schon das Erscheinen Karls in Sachsen mit dem Christi zur Rettung dieser Welt. Araber erbaten in Paderborn eine Intervention des Frankenherrschers in Spanien, die dann im folgenden Jahre zur Niederlage im Tal von Ronceveaux führte, von der die Rolandssage erzählt. Die Sachsen nutzten Karls Abwesenheit zu einem großen Aufstand unter Widukind, zerstörten 778 alle in Paderborn von den Franken errichteten Gebäude und brachten über den Resten der Dracheninschrift Pferdeopfer dar. Karl gab nicht auf, ließ zahlreiche Sachsen töten und erbaute die Pfalz noch stärker als zuvor. Paderborn blieb Versammlungspfalz des Herrschers für Sachsen. Wichtige Gesetze wurden hier erlassen, und mit der Taufe Widukinds im Jahr 785 schien die Einbeziehung Sachsens in das Frankenreich vollzogen. Doch ein neuer Aufstand in den 90er Jahren zerstörte wiederum die Pfalz an den Paderquellen. Noch einmal entstand sie neu.

Nun wurde auch im Bereich des heutigen Domes eine dreischiffige Basilika als Bischofskirche für das hier vorgesehene Bistum gebaut. Im Hof vor der Pfalzhalle, vor dem Durchgang zur älteren Kirche, wurde ein Stufenbau errichtet, der ursprünglich als Unterbau eines Außenthrones gedeutet wurde. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse haben jedoch ergeben, dass es sich „nur“ um eine Treppe handelt, die auf ein Podest zwischen Aula und Dom führte. Sie liegt unter der Portaltreppe zur „Roten Pforte“ an der Nordseite des Domes.

Standort der Treppe Google Street View

In diese Pfalz lud Karl im Jahre 799 Papst Leo III. ein. Der Frankenkönig war bereits auch Herrscher der Langobarden, zudem Schutzherr der Römer. Eine Verschwörungsgruppe gegen Leo III., geführt von Verwandten seines adligen Vorgängers, hatte den Papst bei einer Bittprozession überfallen, abgesetzt und eingesperrt. Leo III. war entkommen. Karl ließ ihn nun nach Paderborn geleiten. Ein noch in diesem Jahr entstandenes Gedicht mit 536 lateinischen Hexametern, das sogenannte „Paderborner Epos“, schildert die feierliche Einholung und den festlichen Empfang des Papstes in Paderborn, läßt aber auch erkennen, dass Karl sich bereits als der „Vater Europas“, als dessen Leuchtturm und als Augustus empfand. Der Papst bot ihm die Krönung zum Kaiser an, die Franken sollten Reichsvolk, Aachen das neue Rom sein. Doch der Herrscher ließ sich von Leo III., dessen Legitimität durch Abgesandte seiner römischen Gegner bestritten wurde, nicht krönen. Erst als sich im folgenden Jahr der Papst in Rom durch einen Eid von den Vorwürfen seiner Gegner gereinigt hatte, konnte er durch die Krönung Karls das römische Kaisertum erneuern.

„Der Königssaal der einstigen karolingischen Pfalz wurde nicht wieder aufgebaut (nach der vollen Beruhigung des Sachsenlandes hatte sie ihre Bedeutung verloren), wird nach Einebnung des Platzes deren Vorhandensein dem Gedächtnisse der späteren Geschlechter allgemach entschwunden sein, und so kam es, dass uns kein weiteres Schriftwerk irgend etwas mehr darüber meldet. Urkunden des Paderborner Bistums mögen darüber vorhanden gewesen sein, aber der Brand des Jahres 1000, der nicht nur den Dom, sondern alle umliegenden Gebäude und die ganze Ansiedlung bis auf wenige Häuser vernichtete, hat auch die Archive des Bistums beseitigt, sogar die Stiftungsurkunden konnten nicht gerettet werden.“ ( "Eine Pfalz Karls des Großen in Paderborn" von Hermann Abels, Paderborn 1916

Lange rätselten Wissenschaftler über den Standort der Pfalzanlage Karls des Großen in Paderborn. 1964 war es dann so weit: Die Pfalz aus dem späten 8. Jahrhundert wurde bei archäologischen Grabungen nördlich des Domes entdeckt. Doch nicht nur die Reste dieser karolingischen Pfalz wurden gefunden.

siehe : Die spektakuläre Entdeckung der Paderborner Königspfalzen, Ein Ruückblick nach 50 Jahren / Internet-Portal „Westfälische Geschichte“ / Manfred Balzer 2013

Die Häuser im Pfalzgelände Am Ikernberg wurde im 2. WK 1945 bei Luftangriffen zerstört

Eigentlich hätten die Archäologen damals nur einen Blick in den Boden werfen wollen, weil das Domkapitel den Bereich nördlich des Doms neu habe gestalten wollen. Meterhoch lag der Schutt.

Aber die Ausgräber um Wilhelm Winkelmann wurden schnell fündig und stießen auf Reste eines Palastes (Pfalz), den der Paderborner Bischof Meinwerk für Kaiser Heinrich II. im 11. Jahrhundert hatte bauen lassen.

Entsprechend große Aufmerksamkeit wurde den Grabungen zuteil: Bundespräsident Heinrich Lübke reiste 1965 an, der NRW-Ministerpräsident kam und Wissenschaftler aus aller Welt sowieso. Die von Archäologen freigelegten Mauerreste hat man an der Oberkante begradigt, um die Zersetzung durch Witterungseinflüsse zu verhindern. Ursprüngliches Mauerwerk ist dabei von ergänzten Partien durch flache Tonziegel optisch getrennt. Schon das war ein bedeutender Fund - der aber verblasste angesichts der Mauerreste, die dann zu Tage kamen: Die „urbs Karoli“, die Karlsburg, war schon vor Jahrhunderten in Vergessenheit geraten.

Die Anlage des Palastes war so gut in Stand, dass ein Wiederaufbau unter Einbeziehung der historischen Bausubstanz möglich war. Die ottonisch-salische Kaiserpfalz aus dem 11. und 12. Jahrhundert grenzt nördlich an die karolingischen Pfalzbereich. Der 44 Meter lange und 16 Meter breite Saalbau sowie einige kleinere Nebengebäude sind von 1976 bis 1978 auf den alten Grundmauern bei größtmöglicher Bewahrung ursprünglicher Bausubstanz neu errichtet worden. In dem historischen Gebäude befindet sich seit 1978 das LWL-Museum in der Kaiserpfalz. Gezeigt werden einzigartige Funde aus Paderborn und Westfalen des 6. bis 12. Jahrhunderts. Das Museum wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Teil der LWL-Archäologie für Westfalen betrieben. Das Metropolitankapitel ist Besitzer der Pfalzanlage. Während im Obergeschoss der großen Halle kulturelle Veranstaltungen stattfinden, dienen das Untergeschoss sowie einige benachbarte Räume als Museum.

Quellen :

www.lwl-kaiserpfalz-paderborn.de / Die spektakuläre Entdeckung der Paderborner Königspfalzen

www.paderborn.de / Tourismus-Kultur / Sehenswuerdigkeiten / Kaiserpfalz

www.lwl-kaiserpfalz-paderborn.de / Die Pfalz

Karten

Preußisches Ur-Kataster Paderborn 1830 (Amt für Geoinformationen, Kataster und Vermessung, Paderborn)

Karte nach den Preußischen-Urkataster 1829-30, M. Erichreineke 2025

Karte TK 25 1837

Karte TK 25 1922

Karte TK 25 2001

Karte Google Maps 2025

Kaiserpfalz Google-Maps

Kaiserpfalz Google Earth

(öffnen und mit rechter Maustaste auf „In Umlaufbahn um diesen Standort kreisen“)

Dokumente

Verweise

Auskünfte

Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V.

Sitz im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Die Informationen zu den Häusern der Paderborner Kernstadt werden seit 2023 mit Hilfe des Geschichts-Stammtisch Paderborn „GSP“ erarbeitet.

Auskünfte zu einzelnen Häusern und Höfen erhalten Sie unter:

                  info@westfalenhoefe.de
wiki/paderborn_paderborn_stadt_000_pfalz.txt · Zuletzt geändert: 2025/12/30 20:48 von michael

Donate Powered by PHP Valid HTML5 Valid CSS Driven by DokuWiki