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ehemalige Bauerschaft Kämper
Haus-Nr. ab 1769:
Paderborn 8
Lange
weitere Besitzernamen : 1897 Kreissparkasse Paderborn und Landratsamt, 1960 Kreissparkasse Paderborn
heute : Sparkasse Paderborn-Detmold-Höxter
Fotos
Geschäftshaus der Sparkasse nach dem Wiederaufbau 1950, Blickrichtung Nordwest
Schildern 5 als Teil der Sparkasse Paderborn, Blickrichtung Nordost 2020
Schildern 5 als Teil der Sparkasse Paderborn, Südseite 2025 (Foto Heike Lenze)
Geschichte
Im 8. bis 11. Jahrhundert lag das Grundstück der späteren Hausstätte westlich vor der Domburg (Karlsburg). Die Straße Schildern als Verlängerung der Westernstraße war Teil des ursprünglichen Westfälische Hellweg (eine Fernstraße des Mittelalters zwischen Rhein und Elbe).
Zum Rathausumfeld und zum Markt gehört die Straße Im Schildern, sie läßt sich geradezu als Marktstraße bezeichnen. Die Schildergasse war nach dem Ministerialengeschlecht Schilder benannt, das seit 1301 als Inhaber des Amtes des bischöflichen Kämmerers den großen Zoll in Paderborn, den sogenannten Schilderzoll und das Zollhaus (Schildern 8) innehatte. Die Stätte Schildern 5 wurde 1319 als beim Markt liegend bezeugt.
„Ein bedeutender Paderborner Bankier des 18 . Jahrhunderts war Bartholomäus Craß, 1676 geboren als Sohn des Johann Craß aus Wiedenbrück und der Anna Maria Gleseker aus Paderborn. Er heiratete 1709 Anna Maria Wilkotte aus Paderborn. Craß handelte mit Waren verschiedenster Art, in der Hauptsache mit Wolle, und beschickte jährlich die großen Messen in Frankfurt am Main und Leipzig. Mit seinem eigenen Vermögen von 6.000 Reichstalern und dem ebenso großen seiner Frau errichtete er 1716 nahe dem Paderborner Rathaus das Haus Schildern Nr. 5, das heute der Sparkasse dient. In seinem Testamente vermachte er 1736 seiner ältesten Tochter 35.000 Reichstaler, seiner jüngeren 16.000. Durch Diebstahl kamen 10.000 Reichstaler abhanden. Das Warenlager hatte einen Wert von 24.000 Reichstalern, Buchschulden betrugen 15.000, Verluste 20.000. Bei seinem Tode waren vorhanden: das Mobiliar, Silber, ein Garten vor dem Westerntor, der Erbzehnte zu Busch und Eggeringhausen im Werte von 16.000 Reichstalern, aber nicht die 700 Reichstaler, die das aufwendige Begräbnis kostete. Seine älteste Tochter heiratete den Paderborner Vizekanzler Lemmen, die jüngere den Generalkammerdirektor von Falkenberg und nach dessen Tod den französischen Gesandten beim Reichstage in Regensburg, Graf Buat. Falkenberg stellte 1755 eine Rechnung auf. Craß hatte 54.446 Reichstaler ausgeliehen, vor allem an den Adel des Landes, aber auch an das Hochstift 9.346 Reichstaler, an die Stadt Paderborn 1.550, an Offiziere und Beamte, Domherren, Weltgeistliche, Bürger, Handwerker und Bauern aus Paderborn und seiner Umgebung. Voraussichtlich verloren waren 13.634 Reichstaler, 25 % des ausgeliehenen Kapitals. Das Geschäft wurde nach dem Tode des Bartholomäus Craß nicht weitergeführt, da Craß keinen Sohn hinterlassen hatte. Die jüngere Tochter blieb kinderlos, so ging das Vermögen in der Nachkommenschaft der ältesten Tochter nach und nach unter. Johann Christoph Craß, ein jüngerer Bruder des Bankiers, wurde Weihbischof, wirkte eine Zeitlang am kaiserlichen Hofe und wurde in den Adel erhoben. Seine Gedenktafel befindet sich an der Nordseite des Querschiffs der Gaukirche. Die Sparkasse zog 1856 mit allem Inventar in das Haus des seit 1851 amtierenden Rendanten Karl Ahlemeyer im Schildern 12. 1862 hatte sie bereits einen Einlagenbestand von 2 Millionen Talern. 1870 erwarb sie das von Bartholomäus Craß erbaute Haus Schildern 5, in das der Kassenbetrieb 1871 verlegt wurde. Die Sparkasse hatte das Haus mit der Maßgabe erworben, daß die von ihr nicht benutzten Räume der landrätlichen Verwaltung zur Verfügung gestellt würden. Ab 1871 wurde aber nur der Sitzungssaal für den Kreistag verwendet.“
Quelle: Paul Michels, Paderborner Kaufmannsfamilien des 18. Jabrhunderts, in: Festschrift der Volksbank Paderborn anläßlich ihres 50jährigen Bestehens im Jahre 1947, S. 34-37; ders., Bankhaus Craß, Das Haus Schildern 5 und seine Bewohner, in: Denkschrift der Kreissparkasse Paderborn zu ihrem hundertjährigen Bestehen im Jahre 1948, Paderborn 1948, S. 27-30; ders., Inschriften, S. 92-96, 21lf.
Für eine Erweiterung des Sparkassengebäudes im Schildern kaufte die Kreissparkasse das Haus Nr. 3, das 1938 abgebrochen wurde, in diesem Jahre auch die Besitzungen Nr. 1 von einem Fräulein Heidenkamp und Nr. 7 vom Kaufmann Goldschmidt, dazu von der Heeresstandortverwaltung eine hinter dem Gebäude liegende Parzelle des Abdinghofes.
Inschriften
Karten
Preußisches Ur-Kataster Paderborn 1830 (Amt für Geoinformationen, Kataster und Vermessung, Paderborn)
Karte nach den Preußischen-Urkataster 1829-30, M. Erichreineke 2025
Karte TK 25 1837
Karte TK 25 1922
Karte TK 25 2001
Karte Google Maps 2025
Schildern 1-7, 33098 Paderborn Google-Maps
Schildern 1-7, 33098 Paderborn Google Earth
(öffnen und mit rechter Maustaste auf „In Umlaufbahn um diesen Standort kreisen“)
Dokumente
Schrägluftbild 1930er, Blickrichtung Nord
Besitzer im Häuser-Verzeichniß von 1897
Verweise
Auskünfte
Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V
Sitz im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Die Informationen zu den Häusern der Paderborner Kernstadt werden seit 2023 mit Hilfe des Geschichts-Stammtisch Paderborn „GSP“ erarbeitet.
Auskünfte zu einzelnen Häusern und Höfen erhalten Sie unter:
info@westfalenhoefe.de















