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Rathaus Paderborn

heute : Rathausplatz 1, 33098 Paderborn

Fotos

Das Rathaus im 1871, Westseite

www.archive.nrw.de / Paderborn, Stadtkern

und 1891, Westseite

Rathaus und Rathausplatz in den 1912, Südwestseite

Schrägluftbild Rathaus und Rathausplatz in den 1930er, Nordwestseite

www.archive.nrw.de / Paderborn, Stadtkern

Rathaus Paderborn 2025, Westseite, (Foto Heike Lenze)

Paderborner Rathaus / Google Street View

Geschichte

Der Rathausplatz und die Straße Schildern als Verlängerung der Westernstraße war Teil des ursprünglichen Westfälische Hellweg (eine Fernstraße des Mittelalters zwischen Rhein und Elbe).

Das Rathaus befindet sich am Rathausplatz im südlichen Teil der Innenstadt, mittig in der Paderborner Fußgängerzone. Der heutige Rathausplatz befand sich in Mittelalter und früher Neuzeit außerhalb der damaligen Domimmunität, genauer zwischen der vom Westen in die Domburg führenden Straße (heute Schildern) und der südlichen Umgebung des Dombezirks (heute Kamp). Zum Rathausumfeld und zum Markt gehört die Straße Schildern, sie läßt sich geradezu als Marktstraße bezeichnen. Die Schildergasse war nach dem Ministerialengeschlecht Schilder benannt, das seit 1301 als Inhaber des Amtes des bischöflichen Kämmerers den großen Zoll in Paderborn, den sogenannten Schilderzoll und das Zollhaus (Schildern 8) innehatte. Nach Westen geht der Rathausplatz in den etwas größeren Marienplatz über, wo dem Rathaus mit Haus Heising der andere der bekanntesten originalen Renaissancebauten der Innenstadt in direkter Sichtweite diagonal gegenübersteht. Den Bereich vor dem Rathaus ziert ein Brunnenbecken, in Paderborn traditionell Kump genannt.

www.lwl.org/westfaelische-geschichte / Aus der Baugeschichte des Paderborner Rathauses 13. bis 17. Jahrhundert PDF

Die erste Erwähnung eines Rathauses in Paderborn findet sich in einer Urkunde des Jahre 1279, Einzelheiten über dieses Gebäude sind jedoch nicht bekannt, spätestens aber seit dem 15. Jahrhundert auch an der heutigen Stelle. Der Vorgänger des aktuellen Rathausbaus stammt aus dem Jahr 1473. Zur Errichtung kam es, nachdem Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg den Rat der Stadt zum Neubau aufforderte; der Landesherr hatte am schlechten Zustand des alten Rathauses in seiner Hauptstadt Anstoß genommen. Der Rat der Stadt beschloss daraufhin, den Baumeister Hermann Baumhauer aus Wewelsburg zu beauftragen, welcher 1613 gemeinsam mit dem Höxteraner Ratszimmermeister Peter Richel begann, das neue Rathaus zu errichten. Dabei wurde der Vorgängerbau (insbesondere im Kellerbereich und den Außenwänden des östlichen Trakts) in den Neubau integriert, während der aus dem Jahr 1506 stammende Dachstuhl, welcher ursprünglich in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet war, in West-Ost-Stellung gedreht wurde. Weiter wurde die Breite des Gebäudes erweitert, indem das Dach mit langen Hölzern aufgeschoben wurde. Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam es zwei Mal zu Erneuerungen am Gebäude: 1725/26 mussten an den Sandsteinelemente Erneuerungen vorgenommen werden; bei diesem Umbau entstand auch der große, die ganze Breite des Gebäudes einnehmende Ratssaal und das nördliche Seitenportal. 1779 kamen neue Fensterbänke dazu.

www.lwl.org/westfaelische-geschichte / Aus der Baugeschichte des Paderborner Rathauses 18. und 19. Jahrhundert PDF

1870–1878 kam es zur Restaurierung des wieder verfallen zu drohenden historischen Rathauses, dabei wurde der Bau verändert. Verantwortlich war der Paderborner Architekt Rudolf Volmer, nach vier Jahren übernahm (aufgrund von Auseinandersetzungen zwischen Volmer und der Stadt) ein Zimmermeister namens Schafmeister. Der Großteil der Umbaumaßnahmen war zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen. Die Inschriften im Außen- und Innenbereich sind auch vor dem Hintergrund von Volmers Verärgerung über seinen Bauherrn zu betrachten. Nach weitgehender Verlagerung der personell gewachsenen Stadtverwaltung in das ehemalige Gaukirchkloster in der Grube 1894 richtete im Erdgeschoss des Rathauses der Altertumsverein ein Museum ein. Auch die 1903 gegründetet Stadtsparkasse und der 1911 gegründete Verkehrsverein waren zeitweise dort untergebracht.

Während der Novemberrevolution hat sich ein Arbeiter- und Soldatenrat im Rathaus niedergelassen. Eine mögliche Auseinandersetzung mit einem aus Kriegsrückkehrern bestehenden Freikorps, der sich Ende November 1918 mit kleinen Mörsern und Maschinengewehren vor dem Gebäude gegen die Revolutionäre in Stellung gebracht hatte, konnte rechtzeitig abgewendet werden.

Das Rathaus wurde im 2. WK 1945 bei Luftangriffen zerstört

1945 wurde das Rathaus bis auf die Außenmauern zerstört und brannte aus. Die historische Innenausstatung von 1870/78, besonders erwähnenswert eine astronomische Uhr, wurde vernichtet. Die Ruine war einsturzgefährdet, der große Giebel musste durch Drahtseilabspannungen gesichert werden. Der schon 1946 begonnene Wiederaufbau zog sich bis 1954 hin.. Zur Finanzierung des Innenausbaus wurde in Paderborn eigens eine Lotterie veranstaltet. Die komplett zerstörte Treppe wurde 1953 durch eine dreiläufige Stahlbetontreppe ersetzt. Auffällig ist bei dieser das 1954 eingefügte Geländer mit messingfarbenen Medaillons, weiten Eisenschlaufen und filigran unregelmäßigem Eisenwerk. Das Geländer wurde ebenso wie die Eingangstüren, die drei Glasschlifffenster zur Rückseite und die hölzerne Supraporte des großen Sitzungssaals von dem Paderborner Künstler Josefthomas Brinkschröder gestaltet.

Heute tagt im Gebäude der Rat der Stadt Paderborn. Ebenso nutzte das Standesamt mehrere Jahrzehnte lang die Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Mit Ausnahme des Trauzimmers, in dem in der Regel dienstags und freitags standesamtliche Eheschließungen stattfinden, befindet sich dort heute das FamilienServiceCenter. In den 1950/60er Jahren war dort zeitweise auch das Stadtarchiv untergebracht. Das Obergeschoss mit dem großen und dem kleinen Saal und den Erkerräumen dient vor allem als Tagungsstätte des Rates und seiner Ausschüsse. Darüber hinaus wird der große Saal für Repräsentationsveranstaltungen der Stadt wie z.B. Empfänge oder Festakte genutzt. Im Dachgeschoss hatte bis zur Verlagerung in den Schloß Neuhäuser Marstall 1994 das Naturkundemuseum seinen Standort.

Architektur:

Es ist der Eingangsbereich des Paderborner Rathauses zu sehen. Mittig die Treppe, mit den ornamentalen Eisengeländern. Im Hintergrund die Rückwand des Treppenhauses mit seinen Bogenfenstern. Am Bildrand vordergründig zwei Kapitelle auf ionischen Säulen. Das historische Rathaus hat zwei volle Geschosse unter seinem ziegelgedeckten Satteldach. Es steht auf einem annähernd quadratischen Grundriss. Form des Grundrisses als auch die charakteristische Vorderansicht wird von den beiden massiven Ausluchten geprägt. Die Ausluchten bilden an der vorderen Westseite jeweils einen Teil der Außenseite und verfügen beide je über einen eigenen renaissancetypisch verzierten Giebel. Das Erscheinungsbild des Gebäudes wird durch seinen hellen Außenputz bestimmt, dessen helle Weißtöne durch dunklere Werksteinelemente gebrochen werden, welche die Fassade gliedern. Die äußeren Konturen der Giebel werden durch ornamentale Verzierungen (wie Rosetten und gegenläufig geschwungene Voluten) betont. Von den einbindenden Gesimse stehen kleine Obeliske ab, welche die kennzeichnende, verzierte Silhouette der Giebelseite zusätzlich dekorieren.

Die Fenster sind alle (bis auf jene der Dachgauben) zu abgesetzten Bändern von unterschiedlicher Länge verbunden. Die Fensterreihen sind durch unverputzte ionische Säulen aus Werkstein geordnet. Das Zusammenspiel aus den Doppelfenstern des Giebelbereichs, Dreifachfenstern an den Seiten und den langen, jeweils acht Fenster umfassenden, Fensterreihen der Ausluchten verleiht dem allgemeinen Erscheinungsbild des Rathauses seine markante disziplinierte Klarheit in der Horizontalen.

In dem Bereich zwischen den Ausluchten findet sich das Brüstungsfeld, welches mit Konsolen und Beschlagwerk gestaltet ist. Auf ihm findet sich das Paderborner Stadtwappen, flankiert von preußischen Adlern und der Lateinischen Devise „CONCORDIA / RES PARVAE CRESCUNT / DISCORDIA / MAXIMAE DILABVNTVR“ (Eintracht lässt kleine Sachen wachsen – Zwietracht richtet die größten zu Grunde). Diese und andere Inschriften wurden bei der Restaurierung des Gebäudes im 19. Jahrhundert durch Architekt Rudolf Volmer angebracht. Weitere Inschriften lauten: „Pax vobiscum“ (Friede [sei] mit euch) und „Sie seynd darhinter“ auf der Nordseite, „Videant consvles“ und „Et lux luceat eis“ (und lass Licht auf sie leuchten) auf der Südseite. Im Innenraum finden sich „Ordnung hilft haushalten“ und „Höher man kreucht als man fleucht“, beide je auf einem der Türstürze zu den Seiteneingängen des Ratssaals. Die Auswahl der Devisen fand vor dem Hintergrund von heftigen Auseinandersetzungen zwischen Architekt Volmer und dem damaligen Paderborner Stadtrat statt, welche einen erheblichen Teil der Restaurierungsarbeiten begleiteten und schließlich in Volmers Entlassung mündeten.[3] Weitere, eindeutiger bissige, Inschriften im Außen- und Innenbereich (z. B. „Boves Intrant, Oves Exeunt“ Als Ochsen gehen sie hinein, als Schafe kommen sie wieder heraus, über der Tür zum Sitzungssaal) sind in den Jahrzehnten nach der Restauration entfernt worden.

Im Innenraum sind neben dem repräsentativen Eingangsbereich mit seinen Säulen und Kapitellen und der Treppe mit dem markant ornamental verzierten Eisengeländern vor allem die sieben, mit quadradtischen und länglichen Feldern gerahmten Neorenaissance-Türgewände auffällig, welche bei der Restaurierung im 19. Jahrhundert eingesetzt wurden. Der Keller des historischen Rathauses gliedert sich in Ost- und Westteil: Der Ostteil stammt noch aus Zeiten des spätmittelalterlichen Vorgängerbaus. Ihn überspannen zwei parallele Tonnengewölbe.

Eine von diesen wurde in Räume unterteilt, die andere dient – noch offen – als Gastraum. Der Westteil des Kellers stammt aus der Erbauungszeit (wahrscheinlich 1613/14). Diesen Teil bilden sechs von Freipfeilern getragene Kreuzgratgewölbe mit Gurtbögen. Dieser Typus von Gewölbedecken findet sich auch im oberirdischen Teil des Hauses mehrfach wieder. Der Ostteil des Kellers ist offen angelegt und wird als Halle genutzt. Durch Gestaltung und Lage prägt das Rathaus das Stadtbild des Paderborner Innenstadtbereichs erheblich und gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt mit hohem Identifikationsfaktor für die Paderborner. Quellen heben außerdem die Stellvertreterposition hervor, welche das Gebäude für den renaissancezeitlichen Rathausbau im norddeutschen Raum hat.

Quelle: www.wikipedia.org / Rathaus_Paderborn

Literatur

Das Golden Buch der Stadt Paderborn

www.Stadt-Paderborn.de / Das Goldene Buch der Stadt

Karten

Preußisches Ur-Kataster Paderborn 1830 (Amt für Geoinformationen, Kataster und Vermessung, Paderborn)

Karte nach den Preußischen-Urkataster 1829-30, M. Erichreineke 2025

Karte TK 25 1837

Karte TK 25 1922

Karte TK 25 2022

Karte Google Maps 2025

Paderborner Dom / Google Maps

Paderborner Dom / Google Earth

(öffnen und mit rechter Maustaste auf „In Umlaufbahn um diesen Standort kreisen“)

Dokumente

Schrägluftbild um 1920, Blickrichtung Nord

Verweise

Auskünfte

Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Erzbistumarchiv Paderborn

Erzbischöfliche Akademische Bibliothek

Altertumsverein Paderborn

Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V.

Sitz im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

Die Informationen zu den Häusern der Paderborner Kernstadt werden seit 2023 mit Hilfe des Geschichts-Stammtisch Paderborn „GSP“ erarbeitet.

Auskünfte zu einzelnen Häusern und Höfen erhalten Sie unter:

                  info@westfalenhoefe.de
wiki/paderborn_paderborn_stadt_0000_p.txt · Zuletzt geändert: 2025/12/27 13:46 von michael

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