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ehemalige Bauerschaft Kämper
Haus-Nr. ab 1769:
Paderborn c.
Bischöfliches Palais
Stadthaus "Dalheimer Hof"
weitere Besitzernamen : bis 1717 Cottmannische Haus, ab 1718 Stadthaus Kloster Dahlheim, 1774 Theodor Werner von Bocholtz, 1831 Preußischer Staat, 1897 Bischöflicher Palast / um 1960 Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger / Erzbischöflicher Stuhl,
Fotos
Bischöfliches Palais an der Kampstraße im Jahre 1892, Blickrichtung Ost
um 1955, Kasseler Straße Ecke Kamp, Blickrichtung Südwest
im Jahre 2025, Blickrichtung Südost mit dem Flügelanbau von 1902
und 2025, Blickrichtung Südwest von der Kasseler Straße
Geschichte
Vor 1717 das Cottmannische Haus.
Der Dalheimer Hof ist der ehemalige Stadthof im Sintfelde als Absteigequartier für das Augustiner-Chorherrenstift Dalheim in Paderborn, seit 1829 dient er als Erzbischöfliches Palais des Erzbistums Paderborn.
Errichtet wurde dieses vornehme Haus mit Freitreppe einer zeitgenössischen Quelle zufolge 1717 in dreijähriger Bauzeit von Johann Conrad Schlaun, dem berühmten Hofarchitekten des Kurfürsten und Fürstbischof Clemens August Herzog von Bayern, zeitgenössisch wegen seiner Bischofssitze als „Monsieur des cinq églises“ (Herr der fünf Kirchen) bezeichnet: „1717 hatt Herr Schlun für den Abriß [=Aufriß] oder Grundriß des angekauften Cottmannischen Hauses bekommen 2 Reichsthaler 24 Groschen, item für den neuen 8 Reichsthaler, item für dreijährige Absicht [=Aufsicht] des gantzen Bauwesens daselbsten gefordert 100 Reichsthaler, ad computum bekommen 21 Reichsthaler.“ Auftraggeber des Projekts war der Dalheimer Prior Bartholdus Schönlau, unter dem gleichzeitig auch ein vollständiger Neubau der Klosteranlage erfolgte. Die stilistische Ähnlichkeit mit dem Dalheimer Hof lässt vermuten, dass Schlaun auch an deren Errichtung beteiligt war.
Im Giebeldreieck des Mittelrisalits geschmückt mit dem Klosterwappen: Aus einem brennenden Herzen wächst ein sogenannten Lazarus-Kreuz, darüber kreuzweise zwei Schlüssel gelegt sind. Auf Spruchbändern über und unter dem Wappen steht in Kursivschrift:
- sI DeVs nobIsCVM qVIs Contra nos (1718)
(Wenn Gott mit uns ist, wer ist dann gegen uns? / Brief des Paulus an die Römer 8,31), sowie:
- qVonIaM aDIVtor et proteCtor faCtVs est nobIs (1718)
(weil er uns Schutz und Hilfe geworden ist / nach Psalm 32, 7) (1718) (Abb.Tafel XVIII, 1).
[Die Großbuchstaben im Chronogramm ergeben in beiden Zeilen jeweils die Jahreszahl 1718]
Im Architrav des Portals stehen nochmal zwei Zeilen in derselben Schriftart, deren jede wiederum das Jahr 1718 enthalten, aber außerdem noch die zweite Zeile auch inhaltlich, so daß also das Baujahr am Hause fünfmal zu lesen ist, ein ganz außergewöhnlicher Fall. Es heißt da:
- LIberas has Canonla DaLheMensIs eXtrVebat (1718)
(Dieses steuerfreie Haus hat Kloster Dalheim gebaut)
- Anno XtI natI DeCIMo oCtaVo.S.P.B.S. (1718)
(im 18. Jahre nach Christi Geburt - S.ub P.riore B.artoldo S.chonlau)
Die Steuerfreiheit war mit der Stadt gegen eine einmalige Abgabe vereinbart worden. Sub Priore Bartoldo Schonlau, also unter dem Prior B. Schonlau, der 1708-30 dem Kloster vorstand und aus Paderborn stammte. (Paderborner Inschriften, Paul Michels 1957)
[Die Großbuchstaben im Chronogramm ergeben in beiden Zeilen jeweils die Jahreszahl 1718, als Text „im 18. Jahre nach Christi Geburt“ somit das fünf mal 1718]
Im Jahr 1774 verkaufte das Kloster Dalheim den Dalheimer Hof an Theodor Werner von Bocholtz, den Paderborner Geheimen Rat. Nach dessen Tod verkaufte wiederum sein Erbe, Graf Dietrich von Bocholtz zu Mentzel, den Dalheimer Hof im Jahr 1831 an den preußischen Staat.
Der letzte Paderborner Fürstbischof, Franz Egon von Fürstenberg (1789-1825), war zugleich Bischof von Hildesheim. Nach dem Verlust seiner weltlichen Macht hatte er sich nach dort zurückgezogen und seine geistlichen Aufgaben von Hildesheim aus wahrgenommen. Das ehemalige Residenzschloss in Neuhaus hatte seine überkommene Funktion verloren und lange keine rechte Nutzung gefunden. In der französischen Zeit war es vorübergehend als Zuchthaus genutzt worden. Ab 1820 diente es schließlich als Kaserne. Wenn Bischof Franz Egon aus Hildesheim nach Paderborn kam, bezog er Quartier im sog. Fürstenhof Am Abdinghof 1, einer 1728 durch den Domherrn Friedrich Christian von Fürstenberg errichteten Kurie, die seitdem von Mitgliedern der Familie von Fürstenberg-Herdringen genutzt wurde. Somit bestand längere Zeit kein akuter Bedarf nach einem offiziellen Amtssitz für den Paderborner Bischof. Mit dem Amtsantritt von Franz Egons Nachfolger, Friedrich Clemens von Ledebur-Wicheln (1825-1841), hatte sich das geändert. Friedrich Clemens war nur Bischof von Paderborn und benötigte daher eine Wohnung an seinem Bischofssitz. Er wählte den Dalheimer Hof und bezog diesen schon 1826, zunächst als Mieter des Grafen von Bocholtz. Dem staatlichen Ankauf des Jahres 1831 gingen längere Verhandlungen voran, bei denen auch zwei Häuser am Domplatz als Bischofswohnung zur Debatte standen. Im Jahre 1861 übertrug der Fiskus das Bischofspalais an den Bischöflichen Stuhl. Am Krummen Ellenbogen, der Westseite. 1902 wurde der westlich liegende dreiachsige und nur einstöckige Flügelanbau zu einem zweistöckigen drei Fensterachsen breiten Flügelanbau umgebaut.
1860 bat der damalige Bischof von Paderborn, Konrad Martin, die Ordensgründerin der "Schwestern der Christlichen Liebe" Pauline von Mallinckrodt, Schwestern ihrer Kongregation zur Unterstützung in die Priesterausbildung zu entsenden. Kurz darauf nahmen die Schwestern den Dienst im Paderborner Theologenkonvikt auf – zunächst noch in der Heiersburg, dann im Collegium Leoninum. Damit war die enge Beziehung zwischen den „Mallinckrodt-Schwestern“ und dem Bischöflichen Stuhl zu Paderborn besiegelt. Der aufkommende Kulturkampf zwischen den Preußen und den deutschen Katholiken festigte diese Verbundenheit noch. 1941 begann dann auf Bitten des damals neuen Erzbischofs Lorenz Jaeger als Nachfolger von Erzbischof Caspar Klein der Dienst der Ordensfrauen auch im Bischofshaus, zunächst als eigener, dem Mutterhaus unterstellter Konvent. Von nun an bildeten Schwestern der Christlichen Liebe und der Paderborner Erzbischof auch am Kamp 38 im früher so genannten „Erzbischöflichen Palais“, dem ehemaligen Stadthaus des Klosters Dalheim, eine weitere starke Verbindung in Form einer besonderen Hausgemeinschaft, die 2023 zu Ende ging.
Der Dom nach dem Luftangriff der Alliierten im März 1945 (siehe unten), Blickrichtung Süd
(Archiv-Bild Erich Aufenanger, Altenbeken)
Das Erzbischöfliche Palais wurde im 2. WK bei den Luftangriffen 1945 bis auf die Außenmauern zerstört und dann von 1948 bis 1949 wieder aufgebaut. Seitdem dient es wieder als Wohnsitz des Erzbischofs von Paderborn. Die heutige Farbgestaltung erhielt das Palais im Jahr 1979. Im Februar 2024 bezog Erzbischof Udo Markus Bentz das Erzbischöfliche Palais am Kamp.
www.wikipedia.org / Liste der_Bischöfe und Erzbischöfe von Paderborn
Karten
Preußisches Ur-Kataster Paderborn 1830 (Amt für Geoinformationen, Kataster und Vermessung, Paderborn)
Karte nach den Preußischen-Urkataster 1829-30, M. Erichreineke 2025
Karte TK 25 1837
Karte TK 25 1922
Karte TK 25 2001
Karte Google Maps 2025
(öffnen und mit rechter Maustaste auf „In Umlaufbahn um diesen Standort kreisen“)
Dokumente
Portal des Erzbischöflichen Palais von 1718, um 1930, Nordseite (LWL Medienzentrum)
Schrägluftbild 1930er, Blickrichtung Nord
Schrägluftbild 1970er, Blickrichtung Nord
Schrägluftbild 2020er, Blickrichtung Süd
Besitzer im Häuser-Verzeichniß von 1897
Verweise
LWL-Medienzentrum für Westfalen
www.Erzbistum Paderborn.de / Willkommen im Palais
www.wikipedia.de / Bischöfliches Palais (Dalheimer Hof)
www.wikipedia.org / Nr. 50 der Liste der Baudenkmäler in Paderborn-Kernstadt
Auskünfte
Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Altertumsverein Paderborn
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V.
Sitz im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn
Die Informationen zu den Häusern der Paderborner Kernstadt werden seit 2023 mit Hilfe des Geschichts-Stammtisch Paderborn „GSP“ erarbeitet.
Auskünfte zu einzelnen Häusern und Höfen erhalten Sie unter:
info@westfalenhoefe.de






















